Bild im Blogartikel "Deine Konfektionsgröße"

Konfektionsgrößen passen selten!

Wusstest du:

Unsere Konfektionsgrößen passen dir am besten wenn du 1,68m groß bist.

Für kleinere und größere Frauen gibt es Kurz- und Langgrößen, die auf entsprechende Proportionen zugeschnitten sind.

Die meisten Länder haben eigene Konfektionsgrößen.

Die deutschen Konfektionsgrößen beruhen auf standardisierten Durchschnittsmaßen von 2009.

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Ist dir das schon passiert? Du bestellst z.B. einen Mantel zwei Nummern größer, denn du möchtest ihn bequem und weit. Der Mantel, der daraufhin geliefert wird ist aber wider Erwarten viel zu üppig. Wie kann das sein?

In deiner Konfektionsgröße gibt es unterschiedlich weite Kleidungstücke von der hautengen Korsage über die halbweite Bluse bis hin zum weiten Mantel. Damit Kleidung einer Konfektionsgröße in unterschiedlichen Weiten zur Verfügung steht wird dem Brustumfang bei der Schnittkonstruktion je nach Modell von 1 cm (für Hautenges) bis 20 cm (für sehr Weites) zugegeben. Das heißt, der Schnitt bleibt mit deinen Köpermaßen und Proportionen in Balance, nur die Weite passt sich dem Modell an.

Bestellst du zwei Nummern größer geht einerseits die Balance verloren. Dazu kommt andererseits die für dich zwei Nummern zu große, üppige Modellweite. Das wirkt dann insgesamt unförmig und plump.

Soll also das Kleidungsstück so wie erwartet passen, wähle einfach die Konfektionsgröße, die laut Größentabelle im entsprechenden Onlineshop oder Katalog deinem Brustumfang entspricht. Dann bekommst du deinen Mantel in der vom Designer vorgesehen Weite und es kann es dir auch nichts anhaben, wenn ein Hersteller das Größensystem für sich anpasst, denn jedes System stimmt in sich.

Wie kommt es das Kleidung in deiner Konfektionsgröße nicht passt?
Du hast deinen Brustumfang, ein Körpermaß, gemessen und nach dem entsprechenden Standardmaß in der Tabelle 1 für „Normale Konfektionsgrößen“ gesucht, in derselben Spalte hast du deine Konfektionsgröße gefunden. In derselben Spalte findest du auch die, deiner Konfektionsgröße zugeordneten, Standardmaße für Hüft- und Taillenumfang. Na und wenn die nicht ungefähr deinen Körpermaßen entsprechen kannst du dir ja vorstellen das die Größe nur bedingt passt. Ist zum Beispiel dein Hüft- und Taillenumfang größer als die Standardmaße die deinem Brustumfang zugeordnet sind muss das Modell von der Taille abwärts genug Spielraum bieten um an dir so wie geplant auszusehen.

Hast du auch deine Körperlänge gemessen? Die Normalen Konfektionsgrößen sind für 1,68m konzipiert. Für gute Passform solltest du also nicht kleiner als 1,63m oder größer als 1,72m sein. Kurz- oder Langgrößen sind die Alternative. Deine findest du in Tabelle 2 in der Spalte unter deiner „Normalen Konfektionsgröße“. Da sich so insgesamt schon 50 verschiedene Größen ergeben ist es verständlich, dass du leider nur wenig Kleidung in Lang- und Kurzgrößen im Handel findest.

Eine, wenigstens für dich, einfachere und selbsterklärende Lösung für das Längenproblem bieten viele Hersteller in ihren Größentabellen von Onlineshops und Katalogen. Du kannst als Zusatz zu deiner Konfektionsgröße „kurz“ oder „lang“ wählen und das umständliche Suchen in Extratabellen erübrigt sich.

Noch mehr Konfektionsgrößen wären einfach zu viel verlangt. Damit ist auch klar, warum es keine Extratabellen für von Standardmaßen abweichenden Hüft- und Taillenumfänge gibt, die Konfektionsindustrie ist eben keine Maßschneiderei. Aber du kannst trotzdem etwas tun! Lass dir bei Passformproblemen mit Passt prima! helfen und vielleicht versuchst du ab und zu ein Kleid selbst zu schneidern.

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Tabelle 1:

Tabelle im Blogartikel "Deine Konfektionsgröße"
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Quelle: Guido Hofenbitzer Grundschnitte und Modellentwicklungen 2. Auflage 2018, S. 506

Tabelle 2:

Tabelle im Blogartikel "Deine Konfektionsgröße"
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Quelle für die Zeile „Extrakurze Konfektionsgrößen“: https://www.mode-welt-online.de/fashion-news/kurz-und-langgroessen-in-der-konfektionsmode/

Internationale Konfektionsgrößen

Sicher hast du schon im Ausland Kleidung gekauft und festgestellt: Andere Länder andere Größen. Und nicht nur das, auch die den Konfektionsgrößen zugrunde liegenden Körpermaße sind länderspezifisch, sodass die Größen einander nicht eindeutig zuzuordnen sind. Zum Beispiel gelten die japanischen Größen für eine durchschnittliche Körperlänge von 160cm, müssten also korrekterweise mit den deutschen Kurzgrößen verglichen werden.

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Quellen: Zeile 1 bis 6 Guido Hofenbitzer Grundschnitte und Modellentwicklungen 2. Auflage 2018, S. 20 Letzte Zeile (Japan) Harumi Maruyama (Hrsg.) Oberteil- Grundschnittvariationen ©2015 Stiebner Verlag

Das europäische Größenetikett nach EN 13402

Bisher ist es nur eine Empfehlung wird selten verwendet und ist trotzdem eine gute Idee für passformgerechte Kleidung. Auf dem Etikett siehst du eine Figur mit horizontalen Linien auf Brust-, Taillen- und Hüfthöhe und einer vertikalen Linie für die Körperlänge. Allen Linien sind Maßspannen zugeordnet. Ist dein entsprechendes Körpermaß in der Maßspanne enthalten, passt die Größe.
Mir gefällt, wie auf einen Blick deutlich wird, dass die Passform der Kleidung von Körperlänge und Körperumfängen abhängt und dass nur die für das Kleidungsstück relevanten Maße angegeben werden. Außerdem lassen sich mit dem Piktogamm Mischgrößen wie zum Beispiel für Figurtyp1 mit Brustumfang 86cm bis 90cm (Konfektionsgröße 38) und Hüftumfang 101cm bis 105cm (Konfektionsgröße 42) anschaulich und direkt kommunizieren.

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Europäisches Größenetikett

Dieses Piktogramm gilt für Oberteile, Jacken oder Mäntel.
Für eine Hose wäre nur Hüft- und Taillenumfang angegeben und für eine Korsage Brustumfang, Unterbrustumfang und Taillenumfang.

Zur Geschichte der Konfektionsgrößen

Das einheitliche Konfektionsgrößensystem wurde in Deutschland erst in den 1960er Jahren eingeführt. Den Fortschritt für die Rationalisierung in der Bekleidungswirtschaft kannst du dir vorstellen. Mit den Konfektionsgrößen standen endlich alle Maße die zur Erstellung von Schnittmustern nötig sind, gebündelt, standardisiert und verbindlich zur Verfügung.

Die Basiswerte für die Tabellenmaße liefert in Deutschland das Textilforschungszentrum der
Hohensteiner Institute. Seit 1957 werden dazu Reihenmessungen an realen Personen durchgeführt. Vermessen werden Körpermaße und die Verteilung der Körperproportionen.
Die Durchschnittswerte bilden dann die Grundlage für die Konfektionsgrößen. Diese durchschnittlichen Körpermaße für z.B. Brust-, Hüftumfang und Körperlänge findest du in den Größentabellen, sie werden Standard- oder Tabellenmaße genannt.

Das Konfektionsgrößensystem für Damen wurde seit seiner Einführung 4x nachjustiert, die letzte Reihenmessung „Size Germany“ fand 2007/2008 statt. Daraus ergab sich, dass Frauen 2008 im Vergleich zu 1994 um einen Zentimeter größer waren und der Brust-, Taillen- und Hüftumfang zugenommen haben.

Die derzeit aktuelle Größentabelle, die du oben findest basiert noch auf veralteten Werten von 1994, kann aber trotzdem unbedenklich weiterbenutzt werden weil das System in sich stimmt.

Darüber hinaus haben viele Bekleidungshersteller die Konfektionsgrößen für ihre Zielgruppe anpasst. Ein Beispiel sind sogenannte Schmeichelgrößen, ein Kleid in Konfektionsgröße 38 entspricht dann den Maßen einer 40. Umgekehrt funktioniert das auch, wenn nämlich besonders schmale Kleidung gefragt ist wird sie knapper zugeschnitten als die Konfektionsgröße angibt.

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